Monatsarchiv: September 2012

Die letzte Septemberwoche

Montag, 24. September 2012
Am Montag hatte ich frei, da wir das Visum beantragen mussten. Wir machten uns also auf den Weg in die Innenstadt, um noch die Passfotos mit rotem Hintergrund machen zu lassen und dann zum deutschen Konsulat. Schon wenn ich alleine unterwegs bin, werde ich ja hier immer viel angeschaut, aber als ich mit Sabrina und Sarina durch die Stadt gelaufen bin, richteten sich noch mehr Augen auf uns. Schon ein komisches Gefühl… Und natürlich bleibt auch die Frage nach Geld oft nicht aus. Viele sehen wohl über unseren Köpfen Dollar-Zeichen schweben, denn für sie ist klar, dass du reich bist, weil du weiß bist, was im Verhältnis ja auch stimmt. Selbst ein Sozialhilfe-Empfänger in Deutschland bekommt mehr Geld als die meisten Bolivianer (auch die mit Universitäts-Abschluss), die täglich ihrer Arbeit nachgehen. In Deutschland wurde ich manchmal dafür belächelt, ins Ausland zu gehen und dort für 100 € Taschengeld (Miete und Verpflegung wird übernommen) zu arbeiten. Doch hier ist das eine ganz schöne Stange Geld – und wer nach dem Geld schaut, dem rate ich dringend von einem Freiwilligendienst ab, denn hier geht es um ganz andere Dinge!
Zurück zum weiteren Tagesablauf… Zum Mittagessen gingen wir dann in einem vegetarischen Restaurant essen. Es war super lecker und ich fand es toll, dass es hier überhaupt so was gibt. Hier werde ich oft gefragt: „Was? Du bist Vegetarierin? Was isst du denn dann?“ Die Lösung hier sind dann meistens Eier… Ich glaube, ich habe noch nie so viele Eier in meinem Leben gegessen wir hier. Aber es gibt auch Soja-Produkte.
Nach einem Spaziergang in der Stadt ging es dann wieder nach Hause zum Ausruhen. Gegen Abend mussten wir wieder ins deutsche Konsulat, um uns die Bestätigung abzuholen, dass wir unseren Pass abgegeben haben – denn ohne Dokumente kann man schnell ziemlich blöd dastehen.
Danach nahm ich Sarina und Sabrina mit zum Tanz-Taining, wo wir dieses Mal einen afro-bolivianischen Tanz lernten. Am Anfang wollte ich ja unbedingt Salsa tanzen, aber eigentlich finde ich es ganz schön, Folklore zu tanzen, da es typisch für Bolivien ist.

Dienstag, 25. September 2012
Ein ganz normaler Arbeitstag – morgens in der Guardería (Kinderkrippe), mittags in Uspa Uspa.
Mittwoch, 26. September 2012
Nachdem Sabrina und Sarina nicht wie gewünscht nach La Paz und Copacabana (Titicaca-See) weiterreisen konnten, weil es dort momentan ziemliche politische Unruhen gibt (soweit ich es verstanden habe, geht es um die unterschiedlichen Gehälter der Mienenarbeiter, da die Selbstständigen mehr verdienen, als die vom Staat Angestellten  es gab sogar schon einen Toten) und im ganzen Land Streik herrscht, reisten sie heute Morgen wieder zurück nach Independencia.
Ich ging zur Arbeit – morgens Guardería, mittags Apoyo Escolar (Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe), wo wir den Geburtstag eines Kindes mit einer riesen Sahnetorte (die gibt´s hier zu jedem Geburtstag) feierten und dann abends zum Tanzen.
Donnerstag, 27. September 2012
Nach der Arbeit (Guardería und Apoyo Escolar) ging ich eine Freundin besuchen, deren Kinder auch bei mit in der Kinderkrippe sind. Sie sind total süß und freuten sich über meinen Besuch – so dass eines der Kinder am nächsten Tag ganz stolz erzählte, dass ich gestern bei ihm zu Hause war.
Freitag, 28. September 2012
Heute hatten wir in der Guardería großen Putztag. Wir haben alle Bettlaken, Plüschtiere und Spielzeuge gewaschen und die Schränke abgestaubt. Ein Baby in der Guardería weint immer, wenn sie mich anschaut – wahrscheinlich hat sie Angst vor der Weißen…
Nach dem Apoyo Escolar hatten wir dann noch eine Team-Sitzung in der Guardería und später ging ich ins Theater nach Quillacollo, wo der erste Abend des Cueca-Festivals begangen wurde. Eigentlich wollten Gruppen aus ganz vielen lateinamerikanischen Ländern anreisen, doch durch den Streik der Flugzeuge konnten nur Gruppen aus Bolivien (La Paz, Sucre, Cochabamba, …) und eine Gruppe aus Lima (Peru) anreisen.

Die dritte Woche

Wieder ist eine gute Woche in Cochabamba vergangen und es ist an der Zeit, Neues zu berichten.

Samstag, 15. September 2012

Wie jeden Samstag hatten wir unser MINKAS-Treffen. Allerdings muss ich mich an die bolivianische Pünktlichkeit wohl noch gewöhnen. Obwohl 15 h ausgemacht war, war ich die Erste. Die anderen trudelten ab halb 4 ein. Als ich mich dann beschwerte, sagte mir ein Jugendlicher: „Hora boliviana – Bolivianische Uhrzeit“.  In Zukunft lasse ich mir auch mehr Zeit…

Als endlich alle versammelt waren, haben wir Memory gespielt. Das spielen hier alle sehr gerne, vor allem die Kleinen, da sie uns Älteren dabei mit ihrem guten Gedächtnis deutlich überlegen sind.

Sonntag, 16. September 2012

Heute nahm mich Padre Gonzalo mit zu einem Treffen der Jugendlichen der Firmvorbereitung. Dieses Mal hatten sie einen Ausflug nach Pairumani geplant, einem Park in ziemlicher Höhe. Das merkte ich dort beim Besteigen des Hügels deutlich. Padre Gonzalo sagte mir dann, dass das der Test für La Paz sei, da ich dort nur hinkönne, wenn ich keine Atemprobleme beim Besteigen hätte. Test bestanden!

Danach gingen wir noch zu einer Sitzung von Jugendleitern in Quillacollo, es ging um die Feier von Urkupiña im August, zu der ich allerdings noch nicht da war.

Montag, 17. September 2012

Diese Woche unterstütze ich Elva in der Küche der Guardería (Kinderkrippe). Als sie mich gefragt hat, was ich kochen kann, habe ich ihr Kartoffelgratin vorgeschlagen, was ich dann auch gemacht habe. Kein Wunder hat das allen Bolivianern geschmeckt – schließlich sind Kartoffeln hier nicht aus dem Speiseplan wegzudenken.

Später gingen wir mit den Kindern zu einer Ausstellung im Kolping-Zentrum, bei der Kindergartenkinder zusammen mit ihren Eltern anlässlich des Geburtstags Cochabambas die verschiedenen Provinzen vorstellten, was für mich sehr interessant war.

Nach dem Apoyo escolar (Hausaufgabenbetreuung / Nachhilfe) ging ich dann zum ersten Mal mit einem Freund aus dem Gemeinde zum Folklore-Tanz-Training in die Stadt. Ich muss wohl noch viel lernen, aber freue mich, etwas typisch Bolivianisches kennenzulernen.

Dienstag, 18. September 2012

Morgens half ich Elva wieder beim Kochen in der Guardería und wir feierten den Geburtstag eines Kindes mit Gesang, Torte und Cola.

Nachmittags war ich wieder mir Hermana Maria Luisa in Uspa Uspa, wo ich bei den Arbeiten half und mit den Kindern spielte. Nach Uspa Uspa fühle ich mich immer ziemlich müde, was nicht nur an der langen Fahrt (1 h pro Weg – ohne Stau) liegt, sondern auch daran, das Uspa Uspa höher als Cochabamba liegt.

Mittwoch, 19. September 2012

Ein normaler Arbeitstag – Guardería und Apoyo escolar, gekürt von einer weiteren Tanzstunde. Die bolivianischen Jugendlichen sind total süß, weil sie mir immer lieb zureden und mir versichern, dass ich bestimmt bald sehr gut tanzen werde.
Donnerstag, 20. September 2012

Heute waren wir mit den Kindern der Guardería in CADECA. Sie fanden es alle ganz toll, vor allem, dass sie sich bei den Spielen so richtig austoben konnten. Ich habe mit ihnen Aramsamsam probiert, da haben alle schön mitgemacht.

Nachmittags hatte ich die Einladung zu einem Freiwilligentreffen einer anderen Organisation, die hier in und um Cochabamba tätig ist. Es war für mich ganz komisch, so viele „Gringos“ auf ein Mal zu sehen, aber auch eine wertvolle Erfahrung, meine Eindrücke mit ihnen auszutauschen und zu sehen, dass sie oft dieselben Dinge beschäftigen wie mich. Das Treffen hat mir aber auch gezeigt, dass es für mich von Vorteil ist, alleine in einem Projekt zu sein und so viel Kontakt zu Bolivianern zu haben, denn viele der Freiwilligen haben noch nicht so viele Kontakte, da sie viel Zeit untereinander verbringen.

Freitag, 21. September 2012

DÍA DE LA PRIMAVERA, DEL ESTUDIANTE Y DEL AMOR

– TAG DES FRÜHLINGS, DES SCHÜLERS UND DER LIEBE

Da heute ein besonderer Tag für die Kinder war, kamen heute Italiener zu uns in die Guardería, um bei uns Pasta Bolognese zu kochen, was Elva und mir die Zeit gab, morgens die Küche / den Essensraum zu putzen und neue Dekoration vorzubereiten.

Und auch im Apoyo escolar haben wir etwas Besonderes für die Schüler organisiert. Wir trafen uns im Kolpinghaus, um zusammen Kekse zu backen, zu spielen und einen schönen und anderen Nachmittag zu verbringen.

Abends entdeckte ich dann mit Freunden zum ersten Mal das cochabambiner Nachtleben. Mir gefällt´s! Ich fand es sehr lustig, dass man nicht, wie in Deutschland, ein Mal am Anfang anstößt, sondern jedes Mal, wenn man einen Schluck trinkt. Manchmal komme ich mir hier vor wie in Deutschland, was die Musik angeht – auch wenn viel Latino-Musik gehört wird, kommen ab und zu Lieder, da man auch in Deutschland oft hört.

Samstag, 22. September 2012

Heute wurde ich von Eli zu ihr nach Hause eingeladen, um etwas Typisches aus der La Paz´er Region zu kochen – Kartoffeln, Bohnen, Mais und gegrillter Käse – wie lecker! Auch die pikante Soße, deren Namen ich leider vergessen habe, durfte natürlich nicht fehlen. Hier bedankt man sich nach jedem Essen – für die Gesellschaft! Ein schönes Ritual!

Später gingen wir zu den MINKAS, wo wieder der Tag des Schülers nachgefeiert wurde. Wir haben für die Kinder und  Jugendlichen Götterspeise zubereitet, das mögen sie hier total.

Abends ging ich dann mit meiner Tanzgruppe nach Tiquipaya, einer Vorstadt von Cochabamba, die ihren 55. Geburtstag feierte, was mit einer „Serenata“ eingeleitet wurde, d.h. ein Fest im Stadium, wo viele traditionelle Tänze, aber auch Hip Hop getanzt und viele bolivianische Lieder gesungen wurden.

Sonntag, 23. September 2012

Heute kamen Sarina und Sabrina, die ihren Freiwilligendienst in Independencia machen, zu Besuch. Wieder hatten wir eine Einladung zum Mittagessen, dieses Mal bei den Schwestern Siervas de San José, die auch in der Pfarrgemeinde wohnen. Sie haben sich viel Mühe mit Kochen gegeben und uns mit leckeren Köstlichkeiten verwöhnt.

Am Nachmittag gingen wir dann in die Stadt auf die Cancha, Cochabambas größten Markt, wo ich einige Dinge kaufte: zwei Schals, einen weiteren Hut und einen Umhängebeutel für Dokumente. Bei den ganzen farbenfrohen Ständen, die bolivianische Artikel verkaufen, hatte ich Lust, den halben Markt leerzukaufen, habe mich dann aber doch beherrscht und dachte, dass ich ja während des Jahres noch genug Zeit für weitere Einkäufe hätte.

Später ging es dann weiter zu einer deutschen Bekannten, die schon seit 30 Jahren in Cochabamba lebt. Es war toll, ihre Geschichte zu erfahren und sie war auch ganz wissbegierig auf Nachrichten aus Deutschland.

Mit einem lieben Gruß aus Cochabamba verabschiede ich mich!

Corinna

Zur Person und wie ich nach Bolivien kam

Corinna Wilhelm

Mein Name ist Corinna Wilhelm, ich bin 1992 geboren und komme aus dem schönen Weingarten (Richtung Bodensee). Schon in der Unterstufe träumte ich davon, während der Schulzeit ins Ausland zu gehen. Von September 2009 bis Februar 2009 fand ich mich also in Bron, einer Vorstadt von Lyon (Frankreich) wieder. Nach unzähligen Besuchen im Nachbarland wurde mein Wunsch immer größer, nach dem Abi nochmal weiter weg zu gehen und diese Erfahrung mit einem Freiwilligendienst zu kombinieren, um meine Energie in etwas Sinnvolles zu stecken. Denn in Frankreich überraschte mich irgendwann nichts mehr und ich stellte fest, dass wir Europäer zwar schon andere Denkweisen, Kulturen und Mentalitäten haben, aber dass wir im Endeffekt doch alle Europäer sind. Da meine dritte Fremdsprache Spanisch war und ich im Spanischunterricht ins Träumen über Lateinamerika geriet, war die Entscheidung, wohin es gehen sollte bald klar. Doch in welches Land? Ich fing an, mich für verschiedene Projekte zu bewerben, um sicher zu gehen, dass es klappen würde, doch als meine Spanisch- und Relilehrerin Verena Rauch mir vorschlug, in die Pfarrgemeinde Cruz Gloriosa nach Cochabamba (Bolivien) zu gehen, wurde ich hellhörig und hatte mein Projekt gefunden, in das ich unbedingt wollte. Verena Rauch hatte selbst mehrere Jahre in Cochabamba gelebt und eine Partnerschaft zwischen den Gemeinden Cruz Gloriosa (Cochabamba) und der Seelsorgeeinheit Heilig Geist / Sankt Maria (Weingarten) entstehen lassen. Ich fand es viel spannender und gleichzeitig beruhigender, in ein Projekt zu gehen, in dem schon vorher jemand war, den ich kenne. Also bewarb ich mich beim Missionskreis Ayopaya und beim BDKJ Bamberg auf eine Stelle, die es vorher noch gar nicht gab und bekam im Januar eine Woche nach dem Vorstellungsgespräch eine Zusage für den weltwärts-Freiwilligendienst.
Seit 4. September bin ich nun hier in Cochabamba, bringe mich in die Sozialarbeit der Pfarrgemeinde Cruz Gloriosa ein und entdecke als GRINGA (so werden wir Nicht-Latinos hier genannt) das wunderschöne Land BOLIVIA!

Spenden

„Weltwärts“ (http://www.weltwaerts.de/) ist ein Programm, das zum größten Teil vom BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) finanziert wird. Ein weiterer Teil wird von der Entsendeorganisation, in meinem Fall dem Missionskreis Ayopaya (http://ayopaya.de/) und dem BDKJ Bamberg (http://www.bdkj-bamberg.de/index.html) übernommen. Jeder Freiwillige wird außerdem gebeten, Spender zu werben, um den Freiwilligendienst zu ermöglichen und dem Projekt finanziell unter die Arme zu greifen.

Wenn Ihnen meine Berichte gefallen und Sie mein Projekt unterstützenswert finden, spenden Sie bitte an

LIGA-Bank Nürnberg BLZ 750 903 00, Konto 5 117 755
Betreff: Wilhelm Weltwärts // Bitte geben Sie außerdem Ihre Adresse im Betreff an, um eine Spendenquittung zu erhalten.
¡MUCHAS GRACIAS! – Vielen Dank!

Tag 8 bis 10 – 12. bis 14. September

12. September

Am Mittwoch habe ich in der Krippe gearbeitet und am Nachmittag alleine auf die ca. 20 Kinder aufgepasst, da meine Kolleginnen eine Sitzung hatten. Zwar waren sie wieder ganz schön aufgedreht, aber als immer mehr Eltern kamen, um ihre Kinder abzuholen, wurde es langsam ruhiger. Danach war ich noch bei der Hausaufgabenbetreuung und habe mit den Kindern, die schon fertig waren, Memory gespielt. Mit den Großen kann man es sogar nach den richtigen Regeln spielen.

13. September

Am Donnerstag war für mich ein ganz normaler Arbeitstag. Morgens Kinderkrippe und nachmittags Nachhilfe. Dieses Mal habe ich den Kindern nach meiner Deutsch- und Englischstunde, in der wir die Farben gelernt haben, Faules Ei  beigebracht und ich war glücklich zu sehen, dass es auf Anhieb geklappt hat und fast alle Kinder mitgespielt haben. Mit den Kleinen in der Krippe ist es immer schwieriger, ihnen Sachen aus Deutschland beizubringen. Aber eine Sache gibt´s die sie total gerne machen: Upschubiduschubidu…. 🙂 (Das ist eine Art Warm up, das wir in Weingarten in der Jugendarbeit oft gemacht haben.)
Gegen Abend war ich dann mit Eli noch bei zwei Familien zu Besuch. Das gehört auch zu Elis Job: Familien zu begleiten, zu versuchen, ihre Probleme zu lösen und ihnen Untestützung anzubieten.

14. September

Gestern war Cochabambas 202. Geburtstag, der groß mit einer Messe und einem Umzug gefeiert wurde. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen und ich fuhr mit meiner Kollegin Elva, die in der Kinderkrippe kocht, und ihrer Tochter Myriam in die Stadt. Und so kam es dazu, dass ich, nachdem ich nur 10 Tage in Bolivien verbracht hatte, auch schon in den Genuss kam, den Präsidenten Evo Morales, den Vizepräsidenten, Álvaro García Linera, den Bürgermeister Cochabambas Edwin Castellanos und viele weitere wichtige Personen live zu sehen. Sehr christlich erzogen schien Evo Morales allerdings nicht, da er kein einziges Gebet mitsprach.  Das liegt daran, dass er aufgrund seiner indigenen Herkunft einer Naturreligion angehört. Evo Morales ist übrigens der erste indigene Präsident Boliviens und ist seit 2006 im Amt.
Nach der Messe gab es einen Aufmarsch der Soldaten, die die Hymne Cochabambas zum Besten gaben, wobei mir ihr militärischer Gesang eher Angst machte… So einem möchte ich nachts lieber nicht begegnen! 😉 Toll war, dass ich ganz nach vorne zum fotografieren konnte. Sie hielten mich wohl für eine Journalistin, da ich mich mit meiner Kamera einfach zu meinen „Kollegen“ stellte.
Nach einem Rundgang auf er Cancha, Cochabambas großem Markt, fuhren wir dann wieder nach Hause.

Tag 5 bis 7 – 9. bis 11. September 2012

Mal wieder sind drei Tage wie im Flug vergangen, also werde ich euch einen kleinen Bericht schreiben.

Am Sonntag war, wie ja schon angekündigt, Kirchweihfest in der Gemeinde Cruz Gloriosa. Dazu gab es nicht nur eine Prozession und einen sehr schönen Gottesdienst mit dem Bischof Monseñor Tito, sondern auch anschliessend ein Gemeindefest mit Spielen und leckerem Essen. Ich wurde im Gottesdienst offiziell vorgestellt und als ich meine kleine vorbereitete Rede vorlas, mussten alle sehr lachen, als ich sagte, dass ich gerne etwas Quechua und Aymara lernen möchte.

Zum Mittagessen hatten wir eine Einladung von Padre Gonzalo ins Pfarrhaus und witzigerweise konnte ausgerechnet Monseñor Tito dann doch nicht kommen, obwohl das Essen eigentlich für ihn organisiert wurde. Padre Miguel nahm es mit Humor und betonte, dass dann mehr für uns übrig bleibe.

Eine weitere Einladung hatte ich am Sonntag zum Tecito (so wird hier Kaffe und Kuchen genannt) ins Kolpings-Haus, wo Florine, eine ehemalige Freiwillige aus der Schweiz, die jetzt wieder für drei Wochen zu Besuch war, ihren Abschied feierte.

Am Montag Morgen war ich in der Kinderkrippe, wo ich dieses Mal mit Mayte bei den Babys war. Nachmittags habe ich mich dann beim Apoyo Escolar (Hausaufgabenbeteuung) an meine erste Deutsch-Stunde gewagt, wobei das ganz schön schwierig für die Kinder war. Da muss ich mir noch was einfallen lassen, wie ich es ihnen spielerischer vermitteln kann. Später ging ich mit Eli in die Stadt, um mir ein Handy zu kaufen und noch in paar Sachen zu erledigen.

Gestern fiel mir mal wieder extem der Unterschied zum Geld zwischen deutschen und bolivinischen Verhältnissen auf, als ich einer Bekannten ein paar Oreo-Kekse anbat. Sie meinte, dass die super lecker seien, aber dass sie sie fast nie kauft, weil sie so teuer seien, worauf ich antwortete, dass acht Bolivianos (1€) doch nicht so viel seien. Sie erwiderte, dass sie von acht Bolivianos Reis und Fleisch für ihre Familie kaufen könnte. Das hat mir ganz schön zu denken gegeben. Wie oft geben wir in Deutschland mal schnell ein paar Euro aus, einfach nur weil wir gerade Lust auf ein Produkt haben. Dass andere sich einen solchen Luxus nicht leisten können und es sicher nicht in eine Packung Kekse stecken würden, vergessen wir oft.

Heute Morgen waren Eli und ich dann gleich nochmal in der Stadt, um mein Handy zu registrieren. Jetzt habe ich endlich eine bolivianische Handynummer und richte mich ein. Später war ich wieder in der Kinderkrippe und am Nachmittag mit Hermana (Schwester) Maria Luisa im Dorf Uspa Uspa (sprich Uschpa Uschpa) bei einem zweiten Stickprojekt.

In Uspa Uspa ist mir aufgefallen, wie schwierig es ist, wenn sich alle auf einer Sprache unterhalten, die man nicht versteht. Hin und wieder haben die Frauen zwar für mich Spanisch gesprochen, aber ich möchte mich auch auf Quechua unterhalten können. Wobei es in Cochabamba gar nicht mehr so viele Leute gibt, die Quechua sprechen und ich deshalb weniger Übung habe als Sabrina und Sarina in Independencia. Naja, das wird schon… „Alemania manta!“ (Ich komme aus Deutschland.)

Ich muss mich erst daran gewöhnen, als Blondine immer aufzufallen und angeschaut zu werden. Andererseits bin auch ich immer sehr neugierig und schaue mir die Einheimischen gerne an, wie die Frauen mit ihren beiden langen schwarzen Zöpfen, ihren Röcken und Blusen mit bunten Tragetücher auf dem Rücken herumlaufen.
Neulich fragte mich ein Kind, warum ich blonde Haare habe, worauf ich erklärt habe,dass es doch langweilig sei, wenn alle gleich aussähen und dass Gott wollte, dass wir alle unterschiedlich sind.

Nach dieser ganzen Fahrerei (ins Stadtzentrum fährt man eine gute halbe Stunde) bin ich nun ganz schön müde und verabschiede mich deshalb!

Hasta luego,

Corinna

Tag 4 – 8. September 2012

Heute morgen hatte ich frei und zum ersten Mal schaffte ich es, bis um 9.30 Uhr zu schlafen. So langsam gewöhnt sich mein Körper wohl an den bolivianischen Rhythmus.

Um 15 Uhr trafen wir uns dann im Gemeindezentrum mit den MINKAS, das ist eine Jugendgruppe, die sich jeden Samstag Nachmittag trifft. Dort haben wir Spiele gespielt, was mich sehr an meine eigenen Gruppenstunden in Deutschland erinnert hat. Ich habe den bolivianischen Kindern „Ich packe meinen Koffer“ beigebracht.

Heute haben in der Kirche alle fleißig mitgeholfen, um das morgige Kirchweihfest vorzubereiten. Es wurde dekoriert, geschält, geschnippelt und ab morgen früh um 3 h wird gekocht.

Morgen werde ich dann auch offiziell der Gemeinde vorgestellt. Der Gottesdienst beginnt um 8.45 h mit einer Prozession und später wird es eine Kermes mit einigen Spielen geben.

Heute Abend war ich dann noch in der Vesper, nach der es einige Gesellschaftsspiele gab. Ich habe beim Eierlauf mitgegacht und eine Statue des Hl. Antonius gewonnen, der nicht nur für verlorene Gegenstände, sondern auch für Verliebte zuständig ist, wie ich heute gelernt habe.

Soviel für heute!

Saludos cordiales,

Corinna

Tag 3 – 7. September 2012

Heute Morgen war ich mit Eli, der Sozialarbeiterin, in Quillacollo auf dem Markt. Ganz anders, als man sich das vielleicht vorstellt, gibt es dort wirklich alles von A wie Apfel bis Z wie Zahnbürste. Ich habe mir heute für 20 Bolivianos, das sind etwa 2,50 €, einen bolivianischen Sonnenhut gekauft.

Nach dem Marktbesuch ging es wieder in die Guardería (Kinderkrippe und Kindergarten). Dort gibt es jeden Tag Frühstück, Mittagessen und einen Nachmittagssnack. Mit manchen Kindern muss man ganz schön Geduld haben, bis sie fertig gegessen haben. Aber wir achten sehr darauf, dass alles aufgegessen wird – denn einige Kinder wohnen in so armen Verhältnissen, dass es sogar an Geld für Essen mangelt.

Für mich ist es ein komisches Gefühl, bis Juni noch Schülerin gewesen zu sein und jetzt plötzlich von den Kindern „Profe“ (Lehrerin) genannt zu werden. Aber es ist toll, von den Mitarbeitern als gleichwertige Kollegin angesehen zu werden.
Am Nachmittag war ich dann bei den Stickfrauen und bei den Kindern vom „Apoyo escolar“ (Hausaufgabenbetreuung / Nachhilfe). Wieder wurde ich sehr herzlich aufgenommen und die Kinder haben sich mir alle vorgestellt. Danach haben sie mir ganz viele Fragen gestellt. Sie wollten auch wissen, ob ich Kinder hätte und verheiratet sei – in Bolivien ist es keine Seltenheit, dass Frauen in meinem Alter schon ein oder zwei Kinder haben.

Einen solchen Fall habe ich heute erlebt – die 19-jährige Mutter eines Kindes, das zur Guardería kommt, hatte heute ein Gespräch mit Eli. Die Oma des Kindes, die einzige Unterstützerin, arbeitet als Köchin und verdient dort monatlich 600 Bolivianos (etwa 75 €), was aber nicht reicht, um alle Rechnungen zu bezahlen, so dass es sogar an essentiellen Dingen wie Windeln fehlt und der Familie, die zu dritt in einem kleinen Zimmer wohnt, nun sogar das Licht abgestellt wurde. Eli hat der Familie deshalb angeboten, in eine Wohnung der Kirchengemeinde zu ziehen, was allerdings mit regelmäßigen Besuchen verbunden wäre. Ein solches Angebot anzunehmen erfordert aber natürlich viel Mut – denn verständlicherweise möchte man nicht als arm gelten.

Heute Abend war dann noch eine Messe für Erwachsene, zu der ich gegangen bin. Wieder wurde das Kreuz thematisiert und zum Abschluss bekamen wir alle Rosenkränze.

Viele Grüße aus Cochabamba,
Corinna

Erste Eindrücke aus Cochabamba – Tag 1 und 2

Nun neigt sich mein zweiter Tag dem Ende und da sich viele darüber informiert haben, wie es mir geht, ist es wohl Zeit für einen ersten Gruß aus Cochabamba.
Am Tag meiner Ankunft, dem 4. September, brachten mich Padre Gonzalo und Don José zu meiner Gastmutter Doña Yolanda. Sie ist sehr nett und wohnt zusammen mit ihrer Schwester Marcella zentral in der Pfarrgemeinde in einem sehr schönen und großen Haus.

Mit meinem Jetlag habe ich noch ein wenig zu kämpfen – meine Gastgeberinnen wunderten sich, weshalb ich schon morgens um 7 Uhr wach war, obwohl ich doch von der Reise so müde sein musste. Ich erklärte dann aber, dass es in Deutschland schon 13 Uhr wäre und dass ich nun nicht mehr schlafen könne. Hier lebt man wohl auch mehr nach dem Rhythmus der Sonne – wenn ich aufwache, strahlt sie schon. Dunkel wird es gegen 18.30 Uhr.

Sarina und Sabrina, zwei weitere Freiwillige des Missionskreises Ayopaya, haben die ersten beiden Nächte in CADECA verbracht, wo ich sie besucht habe. Was für ein wunderschöner Ort! Er dient als Aus- und Weiterbildungsstätte und es gibt dort eine tolle und bunte Kapelle und einen Garten, der einem bei der sonstigen Trockenheit wie eine Oase vorkommt.

Zur Begrüßung bekam ich einen Tee-Emfang im Pfarrhaus, bei dem ich von den Vorsitzenden und Aktiven der Gemeinde herzlich begrüßt wurde und bereits die ersten bolivianischen Köstlichkeiten probieren konnte.

Ich habe nun auch schon ein paar Mal mit bolivianischem Geld – die Währung heißt logischerweise Bolivianos – bezahlt. Morgen werde ich mit Eli, der Sozialarbeiterin, auf den Markt gehen und dort sicherlich ein paar Bolivianos ausgeben.

Es gibt hier sehr leckeres Essen, oft isst man Kartoffeln, aber auch Ocas, das sind eine Art Süßkartoffeln. Mama, die würdest du wohl lieben! Und die rote Beete und die Kochbananen, die es gestern in CADECA zum Mittagessen gab, würde Papa wohl ganz toll finden.

Diesen Sonntag ist Kirchweihfest, deshalb gibt es nun schon unter der Woche jeden Abend ein Treffen für eine bestimmte Gruppe. Gestern waren es die Kommunion- und Nachhilfekinder. Es wurde gebetet, gesungen und den Kindern wurde der Name ihrer Gemeinde, Cruz Gloiosa – Glorreiches Kreuz (da Jesus den Tod besiegt hat) – erklärt. Bei diesem Treffen habe ich einige Menschen der Gemeinde kennengelernt – darunter einige Catequistas, Schwestern und ein paar Stickfrauen.

Heute war mein erster Arbeitstag in der Kinderkrippe und dem Kindergarten. Als ich ankam, haben mir die Kinder eine Überraschung bereitet – sie haben „Bienvenida – Willkommen“ auf Styropor geschrieben und ihre Handabdrücke darauf gemacht. Danach haben sie mir noch drei Lieder vorgesungen, so dass ich ihnen dann „Alle meine Entchen“ vorgesungen habe. Sie freuten sich sehr über meine Mitbringsel – Memory, freundlicherweise von Ravensburger gestiftet – und Haribo. Memory war der Renner, aber ich musste die Spielregeln ändern, da die Kinder es nicht abwarten konnten, bis sie dran waren und schon vorher alles aufgedeckt haben. Also ließ ich sie einfach aufgedeckt die Paare suchen.
Heute Nachmittag waren wir bei einem Fest in Quillacollo / Valle Baja, bei dem die 50-jährige Pristerweihe und die 30-jährige Bischofsweihe von Monseñor Luis gefeiert wurde. Mein erstes bolivianisches Fest, bei dem auch Mariachis vertreten waren und natürlich kräftig getanzt wurde. Ich fand es super!
Wie auch schon beim Treffen der Kinder wurde ich wieder vorgestellt und ans Mikro gebeten. Also habe ich spontan erzählt, dass ich aus Deutschland komme, seit vorgestern hier bin, mich sehr freue und mich für den herzlichen Empfang bedanke. Dennoch war mir das eine Lehre – für meine offizielle Vorstellung in der Gemeinde am Sonntag werde ich mir eine kleine Rede zurechtlegen, denn trotz guter Spanisch-Kenntnisse ist es gar nicht so einfach, sich vor Publikum etwas aus den Fingern zu saugen.
Insgesamt habe ich einen sehr guten ersten Eindruck von meiner Einsatzstelle und freue mich auf meine Aufgaben in der Gemeinde Cruz Gloriosa und darüber, dass ich hier so herzlich aufgenommen werde!
Liebe Grüße aus Cochabamba,
Corinna

Reise – Es geht los!!

Nach einer nahezu schlaflosen Nacht, einem letzten Frühstück mit Laugenstange und Seele und dem  Aussortieren zu schwerer Dinge aus meinem Koffer ging es auf nach Frankfurt. Meine Eltern und Cindy, meine beste Freundin, haben mich dort hingebracht. Nachdem wir, acht Freiwillige des BDKJ Bamberg, zusammen eingecheckt haben, hieß es also Abschied nehmen, was sehr schwer war. Wahrscheinlich haben wir es alle gar nicht so wirklich realisiert, was es heißt, jetzt alle für ein Jahr weg zu sein.
Über Madrid ging es dann nach Lima, wo sich unsere Wege trennten. Fünf von uns (Kathrin, Lydia, Katja, Max und Franci) blieben in Lima, um dort ein paar Tage in einem Konvent zu leben und danach in ihr Projekt zu kommen, und Sarina, Sabrina und ich flogen weiter nach Santa Cruz und letztendlich nach Cochababa. Anders als befürchtet mussten wir nicht für unser zweites Gepäckstück oder Übergewicht im Koffer bezahlen. Und obwohl wir uns schon Sorgen machten, kam unser Gepäck auch ohne Probleme an und wir hatten überhaupt keine Probleme mit dem Fliegen. Die Bilanz unserer Reise: 4 Flüge, 40 Stunden Reise, ein großes Jetlag und die Erleichterung, endlich angekommen zu sein!
Padre Gonzalo (der Pfarrer meiner Kirchengemeinde in Cochabamba, Cruz Gloriosa), Don Pedro (der Leiter von CADECA) und zwei Männer aus Independencia haben uns am Flughafen abgeholt. Wir mussten sehr lachen, als die Männer anfingen, unsere Koffer auf ihren Kleinbus zu laden, weil wir so viel Gepäck hatten, dass nicht alles reinpasste.