Erste Eindrücke aus Cochabamba – Tag 1 und 2

Nun neigt sich mein zweiter Tag dem Ende und da sich viele darüber informiert haben, wie es mir geht, ist es wohl Zeit für einen ersten Gruß aus Cochabamba.
Am Tag meiner Ankunft, dem 4. September, brachten mich Padre Gonzalo und Don José zu meiner Gastmutter Doña Yolanda. Sie ist sehr nett und wohnt zusammen mit ihrer Schwester Marcella zentral in der Pfarrgemeinde in einem sehr schönen und großen Haus.

Mit meinem Jetlag habe ich noch ein wenig zu kämpfen – meine Gastgeberinnen wunderten sich, weshalb ich schon morgens um 7 Uhr wach war, obwohl ich doch von der Reise so müde sein musste. Ich erklärte dann aber, dass es in Deutschland schon 13 Uhr wäre und dass ich nun nicht mehr schlafen könne. Hier lebt man wohl auch mehr nach dem Rhythmus der Sonne – wenn ich aufwache, strahlt sie schon. Dunkel wird es gegen 18.30 Uhr.

Sarina und Sabrina, zwei weitere Freiwillige des Missionskreises Ayopaya, haben die ersten beiden Nächte in CADECA verbracht, wo ich sie besucht habe. Was für ein wunderschöner Ort! Er dient als Aus- und Weiterbildungsstätte und es gibt dort eine tolle und bunte Kapelle und einen Garten, der einem bei der sonstigen Trockenheit wie eine Oase vorkommt.

Zur Begrüßung bekam ich einen Tee-Emfang im Pfarrhaus, bei dem ich von den Vorsitzenden und Aktiven der Gemeinde herzlich begrüßt wurde und bereits die ersten bolivianischen Köstlichkeiten probieren konnte.

Ich habe nun auch schon ein paar Mal mit bolivianischem Geld – die Währung heißt logischerweise Bolivianos – bezahlt. Morgen werde ich mit Eli, der Sozialarbeiterin, auf den Markt gehen und dort sicherlich ein paar Bolivianos ausgeben.

Es gibt hier sehr leckeres Essen, oft isst man Kartoffeln, aber auch Ocas, das sind eine Art Süßkartoffeln. Mama, die würdest du wohl lieben! Und die rote Beete und die Kochbananen, die es gestern in CADECA zum Mittagessen gab, würde Papa wohl ganz toll finden.

Diesen Sonntag ist Kirchweihfest, deshalb gibt es nun schon unter der Woche jeden Abend ein Treffen für eine bestimmte Gruppe. Gestern waren es die Kommunion- und Nachhilfekinder. Es wurde gebetet, gesungen und den Kindern wurde der Name ihrer Gemeinde, Cruz Gloiosa – Glorreiches Kreuz (da Jesus den Tod besiegt hat) – erklärt. Bei diesem Treffen habe ich einige Menschen der Gemeinde kennengelernt – darunter einige Catequistas, Schwestern und ein paar Stickfrauen.

Heute war mein erster Arbeitstag in der Kinderkrippe und dem Kindergarten. Als ich ankam, haben mir die Kinder eine Überraschung bereitet – sie haben „Bienvenida – Willkommen“ auf Styropor geschrieben und ihre Handabdrücke darauf gemacht. Danach haben sie mir noch drei Lieder vorgesungen, so dass ich ihnen dann „Alle meine Entchen“ vorgesungen habe. Sie freuten sich sehr über meine Mitbringsel – Memory, freundlicherweise von Ravensburger gestiftet – und Haribo. Memory war der Renner, aber ich musste die Spielregeln ändern, da die Kinder es nicht abwarten konnten, bis sie dran waren und schon vorher alles aufgedeckt haben. Also ließ ich sie einfach aufgedeckt die Paare suchen.
Heute Nachmittag waren wir bei einem Fest in Quillacollo / Valle Baja, bei dem die 50-jährige Pristerweihe und die 30-jährige Bischofsweihe von Monseñor Luis gefeiert wurde. Mein erstes bolivianisches Fest, bei dem auch Mariachis vertreten waren und natürlich kräftig getanzt wurde. Ich fand es super!
Wie auch schon beim Treffen der Kinder wurde ich wieder vorgestellt und ans Mikro gebeten. Also habe ich spontan erzählt, dass ich aus Deutschland komme, seit vorgestern hier bin, mich sehr freue und mich für den herzlichen Empfang bedanke. Dennoch war mir das eine Lehre – für meine offizielle Vorstellung in der Gemeinde am Sonntag werde ich mir eine kleine Rede zurechtlegen, denn trotz guter Spanisch-Kenntnisse ist es gar nicht so einfach, sich vor Publikum etwas aus den Fingern zu saugen.
Insgesamt habe ich einen sehr guten ersten Eindruck von meiner Einsatzstelle und freue mich auf meine Aufgaben in der Gemeinde Cruz Gloriosa und darüber, dass ich hier so herzlich aufgenommen werde!
Liebe Grüße aus Cochabamba,
Corinna

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