Tag 3 – 7. September 2012

Heute Morgen war ich mit Eli, der Sozialarbeiterin, in Quillacollo auf dem Markt. Ganz anders, als man sich das vielleicht vorstellt, gibt es dort wirklich alles von A wie Apfel bis Z wie Zahnbürste. Ich habe mir heute für 20 Bolivianos, das sind etwa 2,50 €, einen bolivianischen Sonnenhut gekauft.

Nach dem Marktbesuch ging es wieder in die Guardería (Kinderkrippe und Kindergarten). Dort gibt es jeden Tag Frühstück, Mittagessen und einen Nachmittagssnack. Mit manchen Kindern muss man ganz schön Geduld haben, bis sie fertig gegessen haben. Aber wir achten sehr darauf, dass alles aufgegessen wird – denn einige Kinder wohnen in so armen Verhältnissen, dass es sogar an Geld für Essen mangelt.

Für mich ist es ein komisches Gefühl, bis Juni noch Schülerin gewesen zu sein und jetzt plötzlich von den Kindern „Profe“ (Lehrerin) genannt zu werden. Aber es ist toll, von den Mitarbeitern als gleichwertige Kollegin angesehen zu werden.
Am Nachmittag war ich dann bei den Stickfrauen und bei den Kindern vom „Apoyo escolar“ (Hausaufgabenbetreuung / Nachhilfe). Wieder wurde ich sehr herzlich aufgenommen und die Kinder haben sich mir alle vorgestellt. Danach haben sie mir ganz viele Fragen gestellt. Sie wollten auch wissen, ob ich Kinder hätte und verheiratet sei – in Bolivien ist es keine Seltenheit, dass Frauen in meinem Alter schon ein oder zwei Kinder haben.

Einen solchen Fall habe ich heute erlebt – die 19-jährige Mutter eines Kindes, das zur Guardería kommt, hatte heute ein Gespräch mit Eli. Die Oma des Kindes, die einzige Unterstützerin, arbeitet als Köchin und verdient dort monatlich 600 Bolivianos (etwa 75 €), was aber nicht reicht, um alle Rechnungen zu bezahlen, so dass es sogar an essentiellen Dingen wie Windeln fehlt und der Familie, die zu dritt in einem kleinen Zimmer wohnt, nun sogar das Licht abgestellt wurde. Eli hat der Familie deshalb angeboten, in eine Wohnung der Kirchengemeinde zu ziehen, was allerdings mit regelmäßigen Besuchen verbunden wäre. Ein solches Angebot anzunehmen erfordert aber natürlich viel Mut – denn verständlicherweise möchte man nicht als arm gelten.

Heute Abend war dann noch eine Messe für Erwachsene, zu der ich gegangen bin. Wieder wurde das Kreuz thematisiert und zum Abschluss bekamen wir alle Rosenkränze.

Viele Grüße aus Cochabamba,
Corinna

Kommentieren ist nicht erlaubt, aber Trackbacks und Pingbacks sind gestattet.