Tag 5 bis 7 – 9. bis 11. September 2012

Mal wieder sind drei Tage wie im Flug vergangen, also werde ich euch einen kleinen Bericht schreiben.

Am Sonntag war, wie ja schon angekündigt, Kirchweihfest in der Gemeinde Cruz Gloriosa. Dazu gab es nicht nur eine Prozession und einen sehr schönen Gottesdienst mit dem Bischof Monseñor Tito, sondern auch anschliessend ein Gemeindefest mit Spielen und leckerem Essen. Ich wurde im Gottesdienst offiziell vorgestellt und als ich meine kleine vorbereitete Rede vorlas, mussten alle sehr lachen, als ich sagte, dass ich gerne etwas Quechua und Aymara lernen möchte.

Zum Mittagessen hatten wir eine Einladung von Padre Gonzalo ins Pfarrhaus und witzigerweise konnte ausgerechnet Monseñor Tito dann doch nicht kommen, obwohl das Essen eigentlich für ihn organisiert wurde. Padre Miguel nahm es mit Humor und betonte, dass dann mehr für uns übrig bleibe.

Eine weitere Einladung hatte ich am Sonntag zum Tecito (so wird hier Kaffe und Kuchen genannt) ins Kolpings-Haus, wo Florine, eine ehemalige Freiwillige aus der Schweiz, die jetzt wieder für drei Wochen zu Besuch war, ihren Abschied feierte.

Am Montag Morgen war ich in der Kinderkrippe, wo ich dieses Mal mit Mayte bei den Babys war. Nachmittags habe ich mich dann beim Apoyo Escolar (Hausaufgabenbeteuung) an meine erste Deutsch-Stunde gewagt, wobei das ganz schön schwierig für die Kinder war. Da muss ich mir noch was einfallen lassen, wie ich es ihnen spielerischer vermitteln kann. Später ging ich mit Eli in die Stadt, um mir ein Handy zu kaufen und noch in paar Sachen zu erledigen.

Gestern fiel mir mal wieder extem der Unterschied zum Geld zwischen deutschen und bolivinischen Verhältnissen auf, als ich einer Bekannten ein paar Oreo-Kekse anbat. Sie meinte, dass die super lecker seien, aber dass sie sie fast nie kauft, weil sie so teuer seien, worauf ich antwortete, dass acht Bolivianos (1€) doch nicht so viel seien. Sie erwiderte, dass sie von acht Bolivianos Reis und Fleisch für ihre Familie kaufen könnte. Das hat mir ganz schön zu denken gegeben. Wie oft geben wir in Deutschland mal schnell ein paar Euro aus, einfach nur weil wir gerade Lust auf ein Produkt haben. Dass andere sich einen solchen Luxus nicht leisten können und es sicher nicht in eine Packung Kekse stecken würden, vergessen wir oft.

Heute Morgen waren Eli und ich dann gleich nochmal in der Stadt, um mein Handy zu registrieren. Jetzt habe ich endlich eine bolivianische Handynummer und richte mich ein. Später war ich wieder in der Kinderkrippe und am Nachmittag mit Hermana (Schwester) Maria Luisa im Dorf Uspa Uspa (sprich Uschpa Uschpa) bei einem zweiten Stickprojekt.

In Uspa Uspa ist mir aufgefallen, wie schwierig es ist, wenn sich alle auf einer Sprache unterhalten, die man nicht versteht. Hin und wieder haben die Frauen zwar für mich Spanisch gesprochen, aber ich möchte mich auch auf Quechua unterhalten können. Wobei es in Cochabamba gar nicht mehr so viele Leute gibt, die Quechua sprechen und ich deshalb weniger Übung habe als Sabrina und Sarina in Independencia. Naja, das wird schon… „Alemania manta!“ (Ich komme aus Deutschland.)

Ich muss mich erst daran gewöhnen, als Blondine immer aufzufallen und angeschaut zu werden. Andererseits bin auch ich immer sehr neugierig und schaue mir die Einheimischen gerne an, wie die Frauen mit ihren beiden langen schwarzen Zöpfen, ihren Röcken und Blusen mit bunten Tragetücher auf dem Rücken herumlaufen.
Neulich fragte mich ein Kind, warum ich blonde Haare habe, worauf ich erklärt habe,dass es doch langweilig sei, wenn alle gleich aussähen und dass Gott wollte, dass wir alle unterschiedlich sind.

Nach dieser ganzen Fahrerei (ins Stadtzentrum fährt man eine gute halbe Stunde) bin ich nun ganz schön müde und verabschiede mich deshalb!

Hasta luego,

Corinna

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